... gepflegt leben.

Information: Was ändert sich mit dem PSG II ?

Mit dem PSG II, dem Pflegestärkungsgesetz 2, tritt zum 01. Januar 2017 die bedeutendste Reform der Pflegeversicherung seit deren Einführung im Jahr 1995 in Kraft. Doch was ändert sich genau?

Neben der weiteren Erhöhung finanzieller Leistungen und der erneuten Stärkung und Bevorzugung ambulanter Leistungen wird die Sichtweise zur Beschreibung von Pflegebedürftigkeit mit dem PSG II grundlegend verändert.

In dem bisherigen System wurde erfragt, bei welchen der vorgegebenen „Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens“ ein pflegebedürftiger Mensch Hilfe und Unterstützung benötigt.
Die Auflistung der Verrichtungen orientierte sich bislang an 13 körperbezogenen Aspekten aus den Bereichen Mobilität, Ernährung und Körperpflege. Der Umfang des tatsächlichen Hilfebedarfs war vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) in Minuten zu erfassen und war Grundlage für die Festlegung der Pflegestufe bzw. für die Ablehnung.

Vielfach wurde und wird dies falsch dargestellt (aktuell auch im deutschen Ärzteblatt vom 11. Nov. 2016). Diese Minutenwerte der „Laienpflege“ gehören ab 01. Januar 2017 der Vergangenheit an.

Hinzu kommt die Abkehr von der Defizitorientierung mit Blick auf „Befund“ und „funktionelle Einschränkungen“. Die Perspektive zur Ermittlung der Pflegegrade liegt nun auf der Feststellung, in welchem Umfang eine selbstständige Lebensführung möglich ist und in welchem Umfang eine Unterstützung erfolgen muss, damit fehlende Selbstständigkeit kompensiert wird.

Der Grad der selbstständigen Lebensführung und die Alltagskompetenz werden hierzu in sechs Module differenziert. In jedem Modul wird zu den einzelnen Fragestellungen der Grad der Selbstständigkeit erfasst mit der Unterscheidung „selbstständig“, „überwiegend selbstständig“, „überwiegend unselbstständig“, und „unselbstständig“.

Die sechs Module lauten:

1. Mobilität:
Hierzu zählen die Kriterien: „Halten einer stabilen Sitzposition“, „Treppensteigen“, „Fortbewegen im Wohnbereich“.

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten:
Hierzu zählen u.a. die Kriterien: „zeitliche Orientierung“, „Treffen von Entscheidungen im Alltag“, „Beteiligen an einem Gespräch“.

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen:
Hierzu zählen u.a. die Kriterien: „nächtliche Unruhe“, „Ängste“, „Antriebslosigkeit“.

4.Selbstversorgung:
Hierzu zählen u.a. die Kriterien: „Nahrungszubereitung“, „Körperpflege“, „An- und Auskleiden“.

5. Bewältigen von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen:
Hierzu zählen u.a. die Kriterien: „Einreibungen“, „Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung“, „Arztbesuche“.

6. Gestaltung des Alltaglebens und sozialer Kontakte:
Hierzu zählen u.a. die Kriterien: „sich beschäftigen“, „Interaktionen mit Personen in direktem Kontakt“, „Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Kontaktes“.

In diesen sechs Modulen sind insgesamt 64 einzelne Kriterien zu bewerten und mit vorgegebenen Punkten zu versehen.
Über eine Bewertungssystematik werden die Punkte in den einzelnen Modulen gewichtet und abschließend mit einer Gesamtsumme das Maß der Selbstständigkeit durch Festlegen eines Pflegegrades bestimmt.


Pflegebedürftige Menschen mit bereits festgestellter Pflegestufe werden zum 01. Januar 2017 in das neue System der Pflegegrade übergeleitet.
Ohne festgestellte eingeschränkte Alltagskompetenz wird Pflegestufe 1 zu Pflegegrad 2, Pflegestufe 2 zu Pflegegrad 3 und Pflegestufe 3 zu Pflegegrad 4.
Mit festgestellter eingeschränkter Alltagskompetenz erfolgt ein doppelter Stufenaufstieg. Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird dann beispielsweise zu Pflegegrad 3 und so weiter.


Im Laufe des Monats November (spätestens Anfang Dezember) erhalten dann alle Pflegebedürftigen von ihrer Pflegekasse ein Schreiben mit Aussagen zur persönlichen Überleitung in einen Pflegegrad.

 

Andrea Bala, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit
Theaterstraße 19
97070 Würzburg
Telefon: 0931 3503-409
E-Mail: andrea.bala@buergerspital.de

 

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