Terroirweine mit markanter Stilistik

1540er Steinwein

Ältester trinkbarer Wein der Welt als Dauerleihgabe - Das Bürgerspital Weingut erhält 1540 Steinwein

1540er SteinweinAm 16. September 1996 hat das Ehepaar Henry G. und Gwen Simon aus England dem Bürgerspital-Weingut ihre Weinsammlung, die u. a. den legendären „1540er Steinwein" enthält, als Dauerleihgabe überreicht.

Henry G. Simon, der aus einer alten Wiesbadener Weinhändlerfamilie stammt und seit 1937 in England lebt, hat diese Sammlung bereits 1994 schon einmal im Bürgerspital präsentiert. Damals war Hugh Johnson, der berühmte englische Weinkenner und Buchautor, dabei, der 1961 im Rahmen einer Raritätenprobe in London die damals noch vorhandene zweite Flasche dieses Weines verkostet hat. Er war begeistert, den Eigentümer der letzten Flasche dieses legendären Jahrgangs 1540 kennen zu lernen. In seinem Buch „Hugh Johnsons Wein-Geschichte“ (Verlag Hallwag, 1990) schreibt er:

„Die vielleicht älteste Flasche Wein, die je (mit Genuss) getrunken wurde – sie war 421 Jahre alt – wurde 1961 in London entkorkt. Es war ein Steinwein, also ein Wein aus der steilen Lage Stein oberhalb von Würzburg, der schönen Barockstadt am Main. ...

Wie war er nun, dieser über 400-jährige Wein?
... der 1540er Würzburger Stein war noch lebendig. Nichts hatte mir bis dahin so klar vor Augen geführt, dass Wein wahrhaftig ein lebendiger Organismus ist, denn diese braune madeiraähnliche Flüssigkeit vor mir hielt noch immer die aktiven Lebenselemente in sich fest, die sie von der Sonne jenes längst vergangenen Sommers in sich aufgenommen hatte. Auf nur schwer fassbare Weise ließ dieser Wein sogar seinen deutschen Ursprung ahnen. Etwa zwei Schluck konnten wir von der jahrhundertealten Substanz nehmen, ehe sie durch die Berührung mit der Luft verging, ihren Geist aufgab. ..."

Dieser Wein, der aus der Zeit Shakespeares, Kaiser Karl V. und des Reformators Martin Luther stammt, wurde in dem legendären Weinjahr 1540 geerntet, und dieser Jahrgang gilt bis heute als „Jahrtausendwein“. Er ist als der „allerrareste und kostbarste Wein in diesem Seculo“ in die Geschichte eingegangen.

Wie Bernhard Weisensee in seinem Buch „Winzers Freud – Winzers Leid“ schreibt, war der Sommer 1540 so heiß, dass man am 24. August schon mit der Weinlese begann. Da man die durch zu große Hitze vertrockneten Trauben hängen ließ und diese durch späteren Regen wieder aufquollen, herbstete man zweimal. Der zweite Wein wurde noch besser als der erste.

Dieser 1540er Steinwein hat eine wundersame Odyssee hinter sich bevor er in den Besitz der Weinhändlerfamilie Simon in Wiesbaden gelangte. Seine Vorfahren hatten nach dem Tod des Bayernkönigs Ludwig II. im Jahr 1886 die noch übrig gebliebene Flaschen dieses 1540er Steinweines bei einer Auktion ersteigert. Von Wiesbaden wurde er auf abenteuerliche Weise 1937 nach London geholt und in der Weinhandlung Ehrmann & Ehrmann aufbewahrt. Der Besitzer, Henry G. Simon, glaubte seine Weinsammlung mit den beiden Flaschen 1540er Steinwein als verloren, weil das Weinhandelsgeschäft Ehrmann & Ehrmann in London im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurde. Im Jahr 1978 entdeckte er durch Zufall seine Weinsammlung mit einer Flasche 1540er Steinwein (die zweite war 1961 in der beschriebenen Probe verkostet worden) wieder im Büro des Cousins von Herrn Ehrmann in der Grafton-Street in London.

In den Jahren 1976, 1977 und 1978 wurde dieser Wein im „Guinness book of records" wie folgt beschrieben: „Der älteste, datierte Jahrgang aller Weine ist eine Flasche Steinwein von 1540 von Würzburg am Main, West-Deutschland, einst geborgen in den Kellern von König Ludwig von Bayern.“

Herr Simon bekam diese Weinsammlung anstandslos zurück, nachdem auf dem Sammlerschränkchen, in dem die Flaschen auch heute noch aufbewahrt werden, seine Adresse verzeichnet war.

Dieser Wein ist damit nachweisbar die einzige noch existierende volle Flasche dieses legendären „1540er Steinweins".
Bei der Übergabe 1996 an das Bürgerspital-Weingut erklärte Herr Simon, dass er bei seinem Besuch im Jahr 1994 die Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist mit ihrer jahrhundertlangen wohltätigen Aufgabe für alte Würzburger Bürger kennen und schätzen gelernt habe und beeindruckt war von der Tradition des Weingutes. Es wurde ihm auch bewusst, dass diese Stiftung schon lange vor 1540 Weinberge in der weltberühmten Lage „Würzburger Stein“ besaß. Er fasste deshalb den Entschluss, dem auch seine Ehefrau und die beiden Töchter zustimmten, dass der Wein wieder nach Würzburg zurückkehren sollte, wo er vor über 450 Jahren gewachsen ist.

Die Familie Simon will mit dieser Entscheidung der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist, der Würzburger Bevölkerung und allen Besuchern des traditionsreichen, sehenswerten Weinkellers eine Freude machen.

Die Sammlung „Simon“ besteht aus insgesamt sechs Flaschen:

1540er Steinwein - 1 Flasche, 1540er Steinwein - 1 Flasche (leer), 1822er Rüdesheimer - 2 Flaschen, 1822er Johannisberger - 1 Flasche, 1857er Rüdesheimer - 1 Flasche

Sie wurden in die Schatzkammer des Bürgerspitals aufgenommen, gesichert und auch entsprechend versichert. Bei allen Kellerführungen und Weinproben ist diese Sammlung ein Programmpunkt und kann besichtigt werden.

In unserem Onlin-Shop finden Sie eine Auswahl der aktuellen Weine aus dem Würzburger Stein.